Ein herrlicher Tag! Luise genoss den ersten wirklich schönen Frühlingstag im Park und ließ die Sonnenstrahlen auf ihrer Nase tanzen. Leider wurde diese Idylle widerholt von einem Fremden getrübt.
"Flo, Flo wo bist du?" Nun rannt dieser Mann schon das dritte mal an Luises Parkbank vorbei. Diese Hundebesitzer, können die nicht ordentlich auf ihre Tiere aufpassen? "Hallo sie, kann ich ihnen helfen, wie sieht denn ihr Hund aus?" Der Mann blieb stehen. "Welcher Hund denn?" "Na ihr Flo, den suchen sie ja nun schon eine ganze Weile." Der Mann ließ sich erschöpft auf der Bank nieder. "Flo ist kein Hund. Flo ist mein Enkel Florian. Wenn ich ihn nicht bald finde, muss ich die Polizei verständigen. Mein Gott, wenn Torsten das wüsste!"

 

Luise sah sich den Mann etwas genauer an. Er schien ein netter Zeitgenosse zu sein, ungefähr in ihrem Alter. "Wer ist denn Torsten?" wollte sie wissen. "Mein Sohn" antwortete er niedergeschlagen "er liegt seit einiger Zeit im Krankenhaus, er hatte einen Unfall. Deshalb kümmere ich mich um Florian. Aber ich glaube, ich eigne mich nicht als Babysitter. So heißt das doch jetzt, oder ?". In diesem Moment sah Luise ihre Nichte Claudia kommen. An der Leine hatte sie Dunja, ihre Dobermannhündin und sie hatte auch noch einen männlichen Begleiter, ca. vier Jahre alt, der auf Claudia und den Hund fröhlich einplapperte. "Flo!" der Mann sprang auf, "wo warst du bloß, ich habe mir solche Sorgen um dich gemacht!". Behutsam hob er seinen Enkel hoch und sah ihm in die Augen. "Opi, ich hab die Dunja und die Claudia kennen gelernt. Die sind ganz lieb!"
"Entschuldigen sie," sprach ihn die junge Frau an "mein Name ist Claudia Gucci, ich habe ihren Enkel am Streichelzoo getroffen. Er sagte das er seinen Opa sucht. Ich wollte Tante Luise nur Bescheid sagen, das es mit dem heutigen Spaziergang nichts wird, weil ich zur Polizei wollte, aber das hat sich ja jetzt wohl erübrigt."
Nach einem langen Spaziergang zu dritt bzw. wenn man Dunja dazu zählt, zu viert, verabschiedeten sie sich herzlich. "Er gefällt dir, gib es zu doch zu!" stichelte Claudia. Die angesprochene wurde rot wie eine Erstklässlerin. "Auf was für Gedanken du kommst, ich in meinem Alter!"

 

Claudia sollte Recht behalten. Denn ihre Tante und der Mann trafen sich nun öfters. Mit ihren dreiundsechzig Jahren fühlte Luise sich wie ein Teenager, mit Schmetterlingen im Bauch und allem was dazu gehört. Ja, sie hatte sich verliebt in diesen Konrad, Kriminalkommissar a.D. . Sie wusste inzwischen das Konrad, Herr Maurer, seit fast zehn Jahren Witwer war, neben Sohn Torsten noch eine Tochter Namens Ilka hatte, welche in Frankreich lebte und er vor längerer Zeit pensioniert wurde. Und vom Schicksal Florians hat er ihr erzählt. Sylvia, seine Schwiegertochter starb bei Flo┬┤s Geburt. "Weißt du, Luise, die beiden kannten sich schon vom Kindergarten. Schule, Abitur, Polizeischule alles haben sie zusammen gemacht. Sie waren einfach unzertrennlich. Und dann hörte ihr Herz einfach auf zu schlagen." Luise verstand ihn nur zu gut, auch ihr Mann verstarb an einem Herzinfarkt, er war noch keine fünfzig Jahre alt.

 

"Flo, Flo!" wo steckte dieser Lausebengel nun schon wieder! "Claudia, hast du den Jungen gesehen?" Natürlich sah sie ihn. Spielte er doch im Hof mit Dunja. "Mach dir keine Sorgen, Tante, die beiden sind ein super Team!" Claudia sah aus dem Fenster ihrer Praxis. Wie gut die beiden sich verstanden. Florian war ein Kind und Dunja mit ihren fünf Monaten war ja eigentlich auch noch ein Kind, ein Hundekind und Kinder verstehen sich auch ohne Worte.
Florian gehörte inzwischen zur Familie. Jede freie Minute kamen er und Konrad bei ihnen vorbei. Claudia war es recht. Tante Luise hatte eine Beschäftigung und die Gegenwart Florians tat ihr selber auch gut. Ihre erste Ehe ging auseinander, weil sie keine Kinder bekommen konnte. Sie liebte diesen Jungen und Konrad fand sie auch richtig nett. Ob sein Sohn auch so ein lieber Kerl war? Sie wusste, das Konrad seinen Sohn jeden Tag im Krankenhaus besuchte. Während dieser Zeit war Flo bei Luise und Claudia. An diesem Tag kam Konrad besonders gut gelaunt vom Besuch zurück. "Endlich, Mädels! Torsten ist aus dem Koma aufgewacht!"
Erschrocken sahen sich die beiden Frauen an. Sie hatten nicht gewusst, das es so schlimm um seinen Sohn stand. Er hatte nie ein Wort über den Unfall und seine Besuche im Krankenhaus gesprochen, er wollte es nicht.
Von diesem Tag an blühte Konrad richtig auf. Er ging mit Luise essen, in die Oper, ins Ballett.
Claudia übernahm in dieser Zeit die Rolle als Ersatzmutti nur zu gern! Auch tagsüber war Florian herzlich willkommen. In ihrer Tierheilpraxis war Flo ihr mit seiner kindlichen Art oft eine unbewusste Hilfe.

 

Nun war er da, der große Tag. Torsten sollte aus dem Krankenhaus entlassen werde. Florian war herausgeputzt und selbst Dunja hatte ein rot weis gepunktetes Halstuch um. Auch Torsten war gespannt. Kannte er doch die "reizende Luise und ihre Nichte Claudia", nebst Dobermann nur aus Vaters Erzählungen. Am Ausgang des Krankenhauses warteten sie nun aufgeregt. Wie er wohl aussieht, der Torsten? Konrad hatte sich beharrlich geweigert, ein Foto von seinem Sohn zu zeigen. Wenn er nach seinem Vater kam, konnte ja nichts schief gehen, was wenn nicht? Claudia hätte sich in diesem Moment ohrfeigen können. Hatte sie aus ihrer Ehe nichts gelernt? Stefano war so ein römischer Schönling und was hat es ihr gebracht? Durchweinte Nächte, Stunden voller Einsamkeit und eine temperamentvolle italienische Schwiegermutter, die ihr schönes Söhnlein aufforderte sich sofort von Claudia scheiden zu lassen, als sie erfuhr das ihre Schwiegertochter keine Kinder bekommen konnte.
Es war soweit! Konrad stütze seinen Sohn, er war noch etwas wackelig auf den Beinen. "Papa, Papa!" Florin riss sich von Luises Hand los. "Endlich, du warst so lange weg!" Torsten drückte sein Kind zärtlich an sich. "Flo, mein Schatz! Wen hast du denn da alles mitgebracht?" Florian zeigte mit seinen kleinen Fingerchen auf die Wartenden. "Na das ist die Tante Luise, den Opa kennst du ja, das da ist Dunja, meine Freundin und das dort ist Claudia! Die ist richtig hübsch, stimmts?" Torsten war ja im Krankenhaus von vielen hübschen Schwestern umgeben, aber diese Frau übertraf alles!

 

Florian hatte morgen Geburtstag, seinen sechsten. "Na Spatz, wen willst du denn alles einladen?" Gespannt sah Torsten seinen Sohn an "och, die Nadine und den Tim, Opa und Tante Luise und ihr kommt doch auch!? Es wird bestimmt ganz toll! Ich geh jetzt wieder zu Dunja."
"Glaubst du, unser Sohn wird auch mal ein Polizist?" Fragend blickte Claudia ihren Mann an. "Natürlich. Das liegt doch in der Familie! Aber es kann ja auch sein, er tritt in deine Fußtapfen und übernimmt mal die Praxis." Sie sahen durch das Fenster auf den Hof. Dort lag Dunja mit ihrem Nachwuchs. Sieben kleine Welpen drängelten sich um Mamas Zitzen. Und mitten drin saß Florian. "Eigentlich ist es doch völlig egal was er mal macht, er wird schon das richtige tun!"
Zärtlich streichelt Torsten seiner Frau über den Bauch. "Fühlst du sie, sie strampelt wie verrückt." Auch Ärzte können sich irren, was für ein wunderbarer Irrtum!
Wie viel Glück darf ein Mensch eigentlich haben. Er hatte es gefunden, mit seiner kleinen Familie.
"Papa! Mama!" Florian kam aufgeregt die Treppe herauf. "Tante Luise hat mir verraten, was mein Geburtstagsgeschenk ist! Ich darf einen kleinen Hund behalten! Kommt ganz schnell mit!"
Zielsicher nahm Flo sich einen der Hunde. "Das ist Fritzi und den will ich haben!" Es war der kleinste und schwächlichste Welpe aus dem Wurf ."Ich glaube Liebling, unser Sohn wird doch mal mein Nachfolger in der Praxis aber in ein paar Jahren kannst du ja versuchen deine Tochter für deine Arbeit zu begeistern ..."

 
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